On Ethical Design

Embedding ethics meaningfully
into moral scripts
for a socially responsible style,
which addresses sustainability
through a new visual language.

Max Bruinsma

 

Glossary of central terms

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Embed / embedding [einbetten]
Alles ist eingebettet in etwas anderem. Gestaltung ist nicht nur Form-findung, aber vor allem: das einbetten des zu gestaltenden Objekts in einer Gebrauchs- und Bedeutungsumgebung.

Ethics / ethical [Ethik]
Gestaltung ist nie neutral; die Funktion und Form eines Objekts wiederspiegeln eine Ethik, die beide steuert. Der Gestalter der sich kein Rechenschaft davon gibt das Produkte bestimmte Handlungen hervorrufen, also Ethik vermitteln, handelt unmoralisch. (Peter Paul Verbeek)

Meaning [Bedeutung]
Neben eine Funktion und eine Form, haben Produkte Bedeutung. "Bedeutung," im Kontext von Gestaltung, ist immer sowohl passiv (was das Produkt an Bedeutung in sich trägt) als aktiv (die Bedeutung die Benutzer auf das Produkt übertragen). Der Gebraucher, als passiver Rezipient und aktiver 'Bedeuter' des Produkts, ist immer auch Mitgestalter des Produkts, einerseits als Performer des im Produkt eingebetteten moralischen Skripts, andererseits als Benutzer des Interpretationsraums der das Produkt (idealiter) öffnet.

Moral script [moralische Skript]
Eingebettet also im Produkt, durch seine Gestaltung, ist ein Programm das abläuft sobald man es benutzt. Dieses Programm spiegelt die Haltung des Gestalters und seines Auftraggebers gegenüber die Welt, und vermittelt es an die Benutzer.

Society / social [Gesellschaft / sozial]
'Benutzer' [users], so wie auch 'Konsumenten' [consumers], sind Teil der Gesellschaft. Das heißt, das sie mehr gemeinsam haben als nur ihre funktionalen Bedürfnisse und Kaufkraft. Eine Gesellschaft ist gebaut auf geteilte und verinnerlichte Werte – auf eine Ethik. Das Produkt, seine Benutzer und die Gesellschaft stehen in einem dynamischen Verhältnis von gegenseitigen Beeinflussung. Soziales gestalten heißt also gestalten als, für und mit Mitbürger.

Style / De Stijl [Stil / De Stijl]
Stil ist sehr viel mehr als nur Oberfläche. Grundsätzlich ist Stil: Weltanschauung. Das ist was auch die Künstler und Gestalter der "Stijl" Gruppe meinten: ihre Formensprache war Ausdruck einer ausgeprägten Weltanschauung. Jeder gestaltete Form druckt etwas aus über wie der Gestalter die Welt sieht. Ein ausdrucksloser Form ist ein Form von Nihilismus.

Sustainability [Nachhaltigkeit]
Das wir die Erde, ihre Rohstoffe, Früchte und Bewohner aktiv schützen müssen, ist einer der zentralen Gedanken der heutigen Ethik. Es wäre also angebracht für diese Grundgedanke eine spezifische Formensprache zu entwickeln, die als Stil nicht nur dekorativ funktioniert, sondern im wahrsten Sinne von "form follows function"—oder vielleicht noch besser: "form = function"— eine ethisch klare Aussage macht über nachhaltige Produktion und Benutzung.

Visual language [visuelle Sprache, Formensprache]
Wie jede Sprache, ist Formensprache strukturierter Ausdruck der Empfindungen des Sprechers. Und, wie bei jeder Sprache, funktioniert auch Formensprache über eine von vielen 'Sprechern' bekannte Systematik – einer eigenen Grammatik und Syntax. Eine Formensprache zu entwickeln, heißt also eine systematische Entwicklung von hierarchisch geordneten Elemente: Farben, Forme, Materialien, Gestaltungsprinzipien, usw. In unserem Fall hat die Sprache noch ein weiteres Ziel: eine Sprache zu bilden für eine bestimmte Diskurse. Damit ist die neue Formensprache zugleich ein 'Jargon,' oder auch ein 'Stil' – eine bestimmte Art etwas auszudrücken, ein strukturiertes Sprechen über bestimmte Inhalte.

 

Dieser Text wurde den Studierenden während einer Vorlesung und Diskussion über die Ethik des Designs und die Notwendigkeit einer spezifischen Bildsprache für „nachhaltiges Design” als Handout ausgehändigt.

ZHdK, Fragestunde, Zürich, 5 April 2016



max bruinsma